News | Berghof Gruppe

Ganz nah dran

1. März 2024

In ihrem persönlichen Internet-Tagebuch gewährt uns Franziska Brauße exklusive Einblicke hinter die Kulissen des Spitzensports und verrät uns die Geheimnisse ihrer Erfolge im Team mit dem Bahn-Vierer.

Lassen Sie sich mitreißen!

Folge 15, 18.04.2024: Über Toronto nach Paris

Freitag bis Sonntag stand der letzte Weltcup und damit der letzte internationale Bahn Wettkampf vor den Olympischen Spielen statt. Im kanadischen Toronto durften wir an den Start gehen.

Das positive: wir sind nun mit der Qualifikation durch und werden eine Mannschaft nach Paris zu den Olympischen Spielen schicken. Die individuelle Nominierung einzelnen Fahrerinnen erfolgt noch.

Wir reisten Montag recht kurz vor den Wettkämpfen in Toronto an, da wir teilweise noch bei Straßenrennen eingesetzt waren.

Die Zeiten die wir im Training fuhren waren recht vielversprechend doch im Wettkampf konnten wir es nicht so richtig umsetzten und wurden in der Qualifikation 5. somit mussten wir in der nächsten Runde gegen die 8. Platzierte Mannschaft aus Japan fahren.

Die japanische Mannschaft war deutlich langsamer als wir, weshalb wir Mitte des Rennens auffuhren und überholen mussten. Dies kostete wertvolle Zeit und wir wurden wieder 5. und verpassten leider die Finals um die Medaillen.

In den Läufen konnten wir nochmal einiges lernen und nehmen das mit in Richtung Olympische Spiele 2024.

Im Zweier-Mannschaftsfahren (Madison) am Samstag fuhr ich dieses Mal mit Lena. Es war erst unser 3. Gemeinsamer Einsatz zusammen. Dafür lief es ganz gut. Am Ende wurden wir 11 - was leider nicht ganz das widerspiegelt wie wir gefahren sind.

Da wir erst Montag spät abends heimflogen hatten wir noch Zeit uns Toronto anzuschauen.

Nun heißt es aus den Fehlern zu lernen und es nächstes Mal besser zu machen!

Folge 14, 29.01.2024: Von Erfolgen und knappen Niederlagen

Hoffe, ihr habt den Start ins neue Jahr gebührend gefeiert! Bei mir ging es direkt mit Vollgas weiter – am 02. Januar ab nach Frankfurt Oder und nach spannenden 6 Tagen weiter ins charmante Apeldoorn für die Europameisterschaft.

In der Mannschaftsverfolgung haben wir im Vergleich zum letzten Jahr einen richtig starken Schritt nach vorne gemacht und stolz den 3. Platz belegt – ein Triumph für unser Team und ein großartiger Start ins Jahr 2024, getreu dem Motto "Moving Forward."

Der Sonntag hatte es dann so richtig in sich. Zuerst stand die Einerverfolgungs-Qualifikation auf dem Programm, und ich konnte siegreich daraus hervorgehen. Im Finale gegen die talentierte Britin Josie Knight wurde es jedoch knapper, als ich es mir gewünscht hätte. Mit einem hauchdünnen Rückstand von nur 0.003 Sekunden musste ich mich geschlagen geben. Eine bittere Pille, aber das gehört eben zum Radsport.

Keine Zeit für lange Gedanken, denn direkt im Anschluss wartete das Madison auf mich. Wir haben uns wacker geschlagen, die vorderen Plätze erkämpft, aber manchmal knapp die Punkte verpasst. Am Ende stand der 7. Platz auf der Ergebnisliste.

Nach der EM ging es im Eiltempo nach Bremen zum "Sechstage Rennen", das in diesem Jahr aufgrund der EM-Überschneidung kompakt auf 4 Tage verkürzt wurde. Einmal mehr durften Lin und ich nach 4 Rennen ganz oben auf dem Podium strahlen – ein wunderbarer Abschluss.

Kaum Zeit für Verschnaufpausen, denn nach dem aufregenden Rennen ging es direkt mit dem Auto nach Hause. Doch schon am nächsten Tag hieß es Koffer packen für das lang ersehnte Trainingslager auf der sonnigen Insel Mallorca.

Wie ihr sehen könnt, bin ich mal wieder viel unterwegs – aber das gehört zum Job, und ich liebe jede Minute davon!

Folge 13, 20.12.2023: Zwischen Höhenflug und Herausforderungen

Nach meinem letzten Rennen gönnte ich mir eine wohlverdiente Auszeit und verbrachte 11 Tage mit meinem Freund in Lissabon im Urlaub – eine willkommene Pause, um die Batterien aufzuladen und neue Energie zu tanken.

Doch bald schon hieß es wieder: zurück in den Sattel und die Vorbereitungen auf die neue Saison in Angriff nehmen. Die ersten Schritte dazu unternahm ich mit den Trainingslagern in Spanien.

Zuerst auf Mallorca, wo ich gemeinsam mit der Nationalmannschaft nicht nur auf der Straße sondern auch auf der Bahn intensiv trainierte. Anschließend führte mich der Weg nach Calpe, wo das Team die Trainingsintensität noch steigerte. In einer Woche absolvierte ich beeindruckende 28 Stunden auf dem Rad, legte über 700 Kilometer zurück und fügte noch Krafttraining hinzu – ein beeindruckendes Beispiel für die positive Energie und den Willen, immer besser zu werden, den das Berghof-Team auszeichnet und der das "Moving Forward"-Motto verkörpert.

Von Spanien ging es dann direkt in die Schweiz zu den letzten Bahnrennen der Saison. Der erste Tag überraschte mich positiv, als ich im Omnium triumphierte – einem Mehrkampf aus vier Disziplinen – und die amtierende Weltmeisterin sowie die Olympiasiegerin aus den USA hinter mir ließ. Ein Höhenflug, der jedoch am zweiten Tag in den Schatten gestellt wurde.

Die Energie ließ nach, und ich fand mich eher im hinteren Bereich des Feldes wieder. Ein unglücklicher Vorfall, bei dem zwei Fahrerinnen vor mir kollidierten, führte zu meinem Sturz. Schmerzen in der Hüfte und ein gebrochener Helm waren die sichtbaren Spuren des Unfalls. Glücklicherweise konnten im Krankenhaus keine schwerwiegenderen Verletzungen festgestellt werden. Mit einem gemischten Gefühl von Erfolg und Unglück machte ich mich auf den Heimweg.

Trotz dieser Herausforderungen blicke ich auf beeindruckende Highlights meiner Rennsaison 2023 zurück:

  1. Vize-Weltmeisterin in der Einerverfolgung
  2. Europameisterin in der Einerverfolgung
  3. Sieg in der Toskana

Abgesehen von den Rennen war natürlich auch das Berghof Oktoberfest, ein Fest mit den Berghof Mitarbeitern aus allen Standorten, wieder ein Highlight!

Jetzt steht die Geduldsprobe an, denn es gilt, die Verletzungen ausheilen zu lassen. Doch mit dem klaren Ziel vor Augen – immer vorwärts, immer besser – blicke ich voller Zuversicht auf das neue Jahr. Die Herausforderungen des Sports sind wie Berghof selbst: Innovativ, vielfältig und getrieben von einem unerschütterlichen Willen, voranzukommen.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht euch eure Franzi.

Möge 2024 neue Höhenflüge und weniger Stürze bringen :-)

Folge 12, 08.09.2023: Platz an der Sonne

Viel Zeit hatte ich nicht, um das Wechselbad der Gefühle bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Glasgow (Schottland) zu verarbeiten (siehe Folge 11).

Anders als ursprünglich geplant hat mich mein Team für die international hoch angesehene Toskana-Rundfahrt nachnominiert, weil die eigentlich geplante Besetzung durch Krankheiten nicht möglich war.

Also hieß es gleich wieder: Packen und ab auf die Straße mit meinem BMW im Berghof „Moving Forward“ Design. In Österreich habe ich mich dann mit dem Team getroffen und es ging gemeinsam im Teambus weiter nach Italien.

Beim Studieren der einzelnen Etappen der Toskana-Rundfahrt wusste ich sofort – einer der Tagesabschnitte ist mir genau auf den Leib geschneidert: ein 2,5 km langes (oder eher kurzes) Zeitfahren, genau meine Distanz.

Trotz brütender Hitze habe ich also ein kühles Lächeln im Gesicht, als ich – von den Organisatoren im Sinne der Dramaturgie gut geplant – als eine der letzten Starterinnen von der Startrampe rolle.

Es läuft alles super für mich und ich kann meine Stärken wie erhofft voll ausspielen. Ich hole die Bestzeit und darf die restlichen Fahrerinnen auf dem Platz an der Sonne abwarten – dem sogenannten „hot seat“, dem Stuhl auf dem Podium, auf dem die aktuell schnellste Fahrerin sitzen darf und abwarten muss, ob ihre Bestzeit noch unterboten wird.

Kurze Zeit später steht fest: Meine Bestzeit hat gehalten, keine andere Rennfahrerin ist schneller als ich. Damit ist mein erster internationaler Sieg bei einem Straßenrennen in trockenen Tüchern – und ich bekomme als Tüpfelchen auf dem I auch noch das Trikot der Gesamtführenden übergestreift. Was für eine riesige Freude!

Die nächsten Tage stehe ich dann wieder ganz im Dienst meines Teams, denn Teamgeist und die optimale Kombination der individuellen Stärken sind bei uns – genau wie bei Berghof – das A und O.

Ich arbeite also viel im Wind, um meine Teamkolleginnen vor den Schlüsselpunkten der Etappen (meist Berge) in eine aussichtsreiche Position zu bringen. So können wir, auch dank meiner Hilfe, noch einige weitere gute Ergebnisse einfahren.

Der Lohn der gemeinsamen Mühen: Am Ende der auch wegen der hohen Temperaturen sehr anspruchsvollen Rundfahrt darf ich ein weiteres Mal auf das Podium – als Teil des „besten Teams.“ Mission erfüllt!

Apropos Mission erfüllt: Wenige Tage später stand schon der nächste wichtige Termin in meinem Rennkalender – das nach unserem unser Hauptsponsor Ceratizit benannte „World Tour Rennen“ in Plouay (Frankreich).

Natürlich hatte sich unser Team für dieses Rennen besonders viel vorgenommen und wir haben uns eine ausgeklügelte Strategie überlegt, um uns optimal zu präsentieren. Meine Aufgabe: Ich soll versuchen, in eine der frühen Ausreißergruppen zu gehen, die schon zu Beginn des Rennens ihr Heil in der Flucht suchen.

Schon wenige Kilometer nach dem Start startet eine Fahrerin erfolgreich eine Attacke. Ich attackiere kurz danach ebenfalls und geselle mich zu ihr. Kurz danach gelingt einer weiteren Fahrerin eine Attacke und wir geben nun als Trio alles, um möglichst lange alleine vor dem großen Feld zu fahren.

Wir harmonieren gut, fahren gemeinsam einen Vorsprung von maximal sechs Minuten auf das Feld heraus. Nach rund 100 Kilometern verlassen mich allerdings langsam meine Kräfte und ich muss meine zwei Mitfahrerinnen ziehen lassen. Als Bahnspezialistin sind solche langen Distanzen eben nicht ganz so mein Metier.

Als mich das rasende Feld dann einholt, kann ich nach der langen Solofahrt das Tempo nicht mehr mitfahren und muss das Rennen vorzeitig beenden. Mission erneut erfüllt!

Auch ansonsten geht unsere Strategie voll auf und meine Teamkollegin Marta schrammt am Ende mit Platz 2 nur knapp am Sieg vorbei.

Folge 11, 11.08.2023: Alles hat so gut angefangen…

Auch wenn ich gleich im ersten Wettkampf eine Medaille geholt habe – mit dieser Weltmeisterschaft bin ich dennoch nicht zufrieden.

Doch der Reihe nach.

Wir (im Foto: die deutsche Nationalmannschaft Bahn mit allen Betreuern) haben uns wie immer vor den wichtigsten Wettkämpfen zum gemeinsamen Training in Frankfurt/Oder getroffen. Hier haben wir uns eine Woche lang den letzten Feinschliff geholt und sind dann gemeinsam nach Glasgow (Schottland) gereist – zu einer Weltmeisterschaft, wie sie der Radsport noch nie gesehen hat.

Denn in Glasgow fanden erstmals fast alle Titelkämpfe der verschiedenen Radsportdisziplinen parallel statt (Radball, Kunstrad, BMX, Mountainbike, Straße, Bahn, Paracycling).

Dadurch mussten wir uns alle auf neue, ungewohnte Abläufe einstellen. Wir konnten uns zum Beispiel nicht wie sonst üblich im Innenraum der Bahn warm fahren, sondern mussten dazu in eine separate Halle ausweichen. Der Zeitplan war auch anders als gewohnt und wir mussten unsere Bahnräder, wenn wir sie an einem Tag nicht benötigt haben, in einer separaten Halle abstellen.

In Glasgow stand als erster Wettkampf die Einerverfolgung an – und nicht, wie für uns alle gewohnt, die Mannschaftsverfolgung. Natürlich wollte ich meinen Titel verteidigen (siehe Folge 3), am liebsten mit neuer Weltrekordzeit.

Aber es lief für mich leider nicht so rund wie bei den letzten Wettkämpfen. Ich fand in der Qualifikation nicht so richtig ins Rennen, startete zu langsam, gab dann zu viel Gas…

Dennoch habe ich die Nerven behalten und das Beste aus der Situation gemacht – ganz im Sinne von „Moving Forward.“ Es hat zwar nicht für den ersehnten Weltrekord gereicht (denn dafür muss einfach alles stimmen), aber immerhin für das große Finale um Gold.

Im Finale habe ich schnell gemerkt, dass an diesem Tag kein Kraut gewachsen ist gegen meine Gegnerin – die Weltrekordhalterin aus Amerika. Dennoch war es ein schöner Auftakt, bei der Siegerehrung auf dem Podest zu stehen und die Silbermedaille zu bekommen.

Viel Zeit zum Feiern hatte ich allerdings nicht, denn am nächsten Morgen ging es gleich mit der Mannschaftsverfolgung weiter. Leider lief es auch dort nicht so gut wie zuletzt. Wir hatten Schwierigkeiten, den richtigen Rhythmus zu finden und blieben mit Platz 6 in der Qualifikation hinter unseren eigenen Erwartungen zurück.

Also haben wir gemeinsam entschieden, für die entscheidenden Läufe das Team personell etwas umzustellen. Leider ohne den erhofften Erfolg: Es lief auch in der neuen Konstellation nicht wirklich besser, eher im Gegenteil. Eine meiner Team-Kolleginnen konnte unser Tempo auf dem letzten Kilometer nicht mehr mitgehen und wir mussten auf sie warten, weil die letzte Fahrerin die Zeitmessung auslöst.

So hatten wir keine Chance, an die guten Ergebnisse der letzten Monate anzuknüpfen. Am Ende waren wir mit Platz 7 doch weit von der erhofften Medaille entfernt.

Aber wir haben ja noch ein Jahr Zeit, um uns bis zu den Olympischen Spielen in Paris als Team gemeinsam weiterzuentwickeln. Ich bin weiterhin zuversichtlich, dass wir dort wieder vorne mitfahren können.

Nach dieser Enttäuschung ist es mir in meinem letzten Wettkampf in Glasgow, dem Zweier-Punktefahren, verständlicherweise schwergefallen, so richtig ins Renngeschehen zu finden. Platz 11 ist nicht schlecht, aber eben auch kein Grund für übertriebenen Jubel.

Wir werden die Erlebnisse jetzt erst einmal sacken lassen – und dann aus den Wettkämpfen bei dieser Weltmeisterschaft lernen, um bei den nächsten Rennen hoffentlich wieder öfter die Siegerehrung auf dem Podest genießen zu können.

Folge 10, 20.06.2023: Meisterin (fast) aller Klassen

So langsam, aber sicher geht diese Saison in die heiße Phase. Anfang August startet in Glasgow (Schottland) die Bahn-Weltmeisterschaft. Gemeinsam mit meinem Trainer- und Betreuer-Team habe ich mein gesamtes Training der letzten Monate auf dieses große Ziel ausgerichtet. Denn hier geht es auch um die Qualifikation für das Ereignis, auf das jetzt schon alle hinfiebern: die Olympischen Spiele 2024 in Paris.

In Glasgow stehe ich erstmals als Titelverteidigerin in der Einerverfolgung am Start – das ist natürlich eine ganz besondere Motivation. Und mit unserem teilweise neu formierten Vierer-Team sind wir rechtzeitig zur WM wieder zurück in der absoluten Weltspitze (siehe letzte Folge). Deshalb wollen wir auch hier nach den Medaillen greifen.

So kurz vor dem Saisonhöhepunkt steigt natürlich die Anspannung. Da kamen die Deutschen Meisterschaften in Cottbus (14.-18. Juni) als Formtest genau richtig. Und dieser Test war mehr als positiv.

Bei sieben verschiedenen Wettkämpfen habe ich sechs Mal eine Medaille gewonnen: vier Mal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Meisterin (fast) aller Klassen, echt der Wahnsinn!

Es war ein besonderes Gefühl, nochmals mit dem Weltmeistertrikot in der Einerverfolgung zu starten. Hoffentlich gelingt mir die Titelverteidigung und ich darf dieses besondere Trikot noch ein weiteres Jahr tragen.

Drückt mir die Daumen!

Folge 9, 27.04.2023: Zurück in der absoluten Weltspitze

Wir haben es geschafft: Unser teilweise neu formierter Deutschland-Vierer ist zurück in der absoluten Weltspitze. Beim Weltcup in Kanada stehen wir erstmals wieder im großen Finale um den ersten Platz. Doch der Reihe nach.

Kanada? Ja, Ihr lest richtig – von den Straßenrennen in Belgien und Frankreich (siehe letzte Folge) bin ich zunächst für einen „Sprintaufenthalt“ ins heimische Eningen gefahren, wo ja auch die Zentrale der Berghof Gruppe beheimatet ist.

Genau einen Tag Aufenthalt hatte ich Zuhause, bevor es nach Frankfurt/Oder zum gemeinsamen Training auf das nächste Großereignis ging: den Bahn-Weltcup in Milton (Kanada). Bis ich endlich alles aus- und wieder eingepackt hatte, war dieser Tag auch schon rum…

Obwohl wir wegen der Erkrankung einer Teamkollegin erneut einen Wechsel in unserer Formation vornehmen müssen, merken wir schon beim Training, dass unser neuer Vierer immer besser harmoniert.

Wir legen uns eine passende Taktik zurecht und fliegen hochmotiviert nach Kanada. Am Flughafen müssen wir zwar lange warten – aber dieses Mal kommt Gott sei Dank das ganze Gepäck mit uns an, nicht wie beim letzten Weltcup in Ägypten ;-) (siehe Folge 7).

Schon in der Qualifikation läuft es sehr gut für uns, wir können mit der drittbesten Zeit ein erstes Ausrufezeichen setzen. Doch es kommt noch besser: Zusammen mit unseren Trainern finden wir noch einige kleine Stellschrauben, um unsere Zeit noch weiter zu verbessern – schließlich ist genau das unser Ziel, ganz im Sinne von „MovingForward“.

Und diese konzentrierte Detailarbeit zahlt sich aus: Unserem in Teilen neu formierten Team gelingt zum ersten Mal bei einem Weltcup wieder der Einzug in das große Finale. Wir fahren auch in diesem alles entscheidenden Lauf wieder eine Spitzenzeit – aber im Moment ist der erfahrene Vierer aus Großbritannien noch etwas schneller. So reicht es am Ende für uns zum 2. Platz.

Ich bin mir sicher: Wenn wir so weitermachen, dann können wir bald auch in dieser neuen Formation über den ersten großen Sieg jubeln.

Auch im Zweier-Punkterennen läuft es für mich immer besser. Obwohl das Rennen in Kanada sehr hektisch verläuft und es viele Stürze gibt, behalten meine Partnerin und ich die Nerven. Wir setzen am Ende alles auf eine Karte und starten eine Attacke, um uns die besonders wichtige Schlusswertung zu sichern. Geschafft! Damit sichern wir uns in diesem Weltklassefeld einen starken 5. Platz.

Der Lohn der Mühen: Vor dem Rückflug bleibt uns noch genügend Zeit, um die weltberühmten Niagarafälle zu bewundern. Einfach traumhaft!

Folge 8, 17.04.2023: Härtetest für unsere Waschmaschinen

Erst müssen wir die Zähne zusammenbeißen, dann kommt der Härtetest für unsere Waschmaschinen…

Nach dem Bahn-Weltcup in Ägypten mit sommerlichen Temperaturen sorgen die nächsten Stationen auf unserem prall gefüllten Rennkalender dafür, dass sich unsere erste zarte Bräune immer wieder unter einer dicken Kruste Matsch (siehe Foto) versteckt.

Aber nicht nur das kalte, nasse und windige Wetter macht die nächsten Renneinsätze für mich schwierig. Meine Rennplanung ändert sich gleich mehrfach, weil Team-Kolleginnen durch Krankheit oder Verletzung ausfallen und mich meine Team-Chefs bitten, kurzfristig einzuspringen.

So fällt mein Rennprogramm deutlich üppiger aus als geplant – und meine Vorbereitung auf die einzelnen Rennen ist natürlich alles andere als aus dem Lehrbuch ;-)

Besondere Highlights sind die beiden „Radsport-Monumente“ Paris-Roubaix mit seinen legendären Kopfsteinpflasterpassagen und Gent-Wevelgem.

Auch wenn ich mich nicht immer optimal auf die einzelnen Rennen vorbereiten kann, gebe ich natürlich dennoch alles, um mein Team so gut es am jeweiligen Tag eben geht zu unterstützen.

Bei den Straßenrennen bin ich oft in einer klassischen Helferrolle: Meine Aufgabe ist es dann, für unsere jeweilige Favoritin zu fahren, damit sie ihre Kräfte so gut wie möglich für das Finale schonen kann. Als Helferin bist Du dann oft schon einige Zeit vor dem Ziel mit Deinen Kräften am Ende und steigst ins Team-Auto – dennoch leistest Du einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Teams.

Radsport ist Teamsport – und braucht eben nicht nur Talent und Leidenschaft, sondern auch ganz viel Teamgeist. Deshalb kann ich mich auch so gut mit „MovingForward“, der DNA von Berghof, identifizieren.

Und nicht nur bei Berghof, sondern auch bei uns zahlt sich der Teamgeist aus: Wir holen auch bei diesen Rennen einige Top-Platzierungen für unser Team. So kann die Saison weitergehen!

Folge 7, 20.03.2023: Ein etwas anderer Weltcup

Auch wenn die nächsten Olympischen Spiele erst Mitte des nächsten Jahres in Paris starten – für unseren Bahn-Vierer ist dieses Großereignis schon jetzt fest im Blick.

Denn jeder Bahn-Weltcup ist auch gleichzeitig ein Qualifikationslauf, um sich einen der begehrten Startplätze für die Olympiade 2024 zu sichern. Das heißt also für uns: Es geht um viel beim 2. Bahn-Weltcup der Saison in Kairo (Ägypten) vom 14. bis zum 17. März 2023.

Wer meinen Blog hier aufmerksam verfolgt weiß: Normalerweise treffen wir uns vor solchen wichtigen Ereignissen einige Tage vorher zum gemeinsamen Training – meistens am Olympiastützpunkt in Frankfurt/Oder.

Dieses Mal gibt es einen anderen Plan. Wir reisen bereits vier Tage vor dem Weltcup nach Ägypten und wollen dann vor Ort gemeinsam trainieren. Aber da haben wir die Rechnung ohne den Wirt – in diesem Fall: die Bodencrew am Frankfurter Flughafen – gemacht. Denn während wir planmäßig in Kairo landen, gilt das für unsere Straßenrennräder leider nicht.

Eigentlich hatten wir vor, am nächsten Tag am Vormittag auf der Straße zu trainieren. Ohne unsere Straßenrennräder geht dieser Plan leider nicht mehr auf. Und die Bahn können wir zum Training erst am Abend nutzen.

Aber wir sind ja nicht irgendwo, sondern in Ägypten – dem Land der weltbekannten Pyramiden. Also nutzen wir die durch diesen Umstand gewonnene Freizeit spontan für eine Sightseeing-Tour (siehe Beweisfoto ;-))

Aber wir sind ja nicht hier, um Urlaub zu machen – sondern um, ganz im Sinne von „Moving Forward“, weitere wichtige Schritte zu machen auf dem Weg zu unserem großen Ziel: den Kampf um die Medaillen bei Olympia 2024.
Deshalb geht es nach der Pyramiden-Tour am Abend noch zum ersten Training auf die Bahn. Hier müssen wir uns einer für uns ungewohnten Herausforderung stellen: Im Gegensatz zu den meisten modernen Radbahnen, die in Hallen aufgebaut sind, hat die Bahn in Kairo lediglich ein Dach und ist rundum offen. Das macht sie ziemlich windanfällig.

Nach einigen Trainingseinheiten, in denen wir uns an diese ungewohnte Situation gewöhnen können, wird es ernst. Am Dienstag, 14. März 2023 startet der Weltcup in Kairo mit der Qualifikation der Mannschaftsverfolgung.

Und wieder habe ich, wie schon zuletzt beim „Omloop von het Hageland“ in Belgien, Probleme mit meinem Rad. Beim Start verrutscht plötzlich mein Hinterrad und in der Folge schleift der Reifen am Rahmen.

„Ach, halb so schlimm“, denke ich, lasse mich nicht beirren und konzentriere mich weiterhin darauf, mein Bestes zu geben. Doch die Rundenzeiten zeigen deutlich, wie sehr mich dieses Handicap ausbremst…

Es kommt noch schlimmer: Nach rund 2500 Meter – also kurz vor dem Ende – gibt es einen lauten Knall und mein Hinterreifen platzt. Zum Glück merke ich es sofort und kann noch aussteuern, ohne dass ich oder eine meiner Team-Kolleginnen stürzen. Puh, das war knapp...

Nach einer kurzen Pause holen wir tief Luft und probieren es erneut. Mit Erfolg: Trotz dieses Schreckmoments schaffen wir es, die viertbeste Zeit aller Mannschaften zu fahren.

Am Mittwoch fahren wir gegen Frankreich um den Einzug ins große Finale. Leider müssen wir uns geschlagen geben und kämpfen deshalb gegen Irland im kleinen Finale um die Bronzemedaille. Juhu! Geschafft! Dieses Rennen gewinnen wir souverän.

Am Donnerstag steht für meine Partnerin Lin Teutenberg und mich noch das Madison, also das Zweier-Mannschaftsfahren, an. Grob zusammengefasst: Wir haben gute Momente und nicht so gute Momente. Aber wir schaffen es sogar, in diesem Weltklassefeld ein paar Punkte zu ersprinten. Am Ende erreichen wir einen starken sechsten Platz.

Die Reise nach Kairo hat uns also nicht nur ein tolles Erinnerungsfoto vor den Pyramiden, sondern auch wichtige Punkte und viele lehrreiche Momente für mich persönlich und unser Team gebracht.

Wir sind weiterhin auf einem guten Weg in Richtung Olympia 2024 – und arbeiten gleich weiter: Bereits am nächsten Morgen geht es für mich nach Belgien, zu den nächsten Straßenrennen.

Folge 6, 03.03.2023: Doppelpremiere mit Hindernissen

Im Frühjahr herrscht in Belgien Ausnahmezustand: Es ist die Zeit der legendären Radsport-Klassiker. Tausende Fans an den Strecken sorgen für Gänsehaut-Atmosphäre.

Entsprechend groß ist bei mir die Vorfreude auf meine ersten Straßenrennen der Saison: den „Omloop van het Hageland“ am Sonntag, den 26. Februar 2023 und nur zwei Tage später den „Le Samyn“.

Meine Team-Kolleginnen sind bereits vor Ort. Ich reise zwei Tage vor dem Rennen ganz entspannt mit dem Zug an und absolviere am Abend noch eine lockere Einheit auf dem Rollentrainer. Denn nur wer sich optimal vorbereitet, kann am Wettkampftag auch seine beste Leistung bringen.

Vor dem ersten Rennen sind wir immer besonders gespannt. Wie schnell werden wir uns an das enge Fahren im großen Feld und die ständige hohe Belastung über eine sehr lange Zeit gewöhnen?

Die Wetterbedingungen sind gut: Wir starten bei vier Grad und Sonnenschein. Aber schon nach wenigen Kilometern merke ich, dass an meinem Rad etwas nicht stimmt. Mein rechter Schalthebel hat sich gelöst, und durch die für die belgischen Klassiker typischen „Rüttelstrecken“ mit Kopfsteinpflaster und vielen Schlaglöchern wird das Problem buchstäblich von Minute zu Minute schlimmer. Wirklich ärgerlich, denn wir schalten im Rennen ständig, damit die Beine immer im optimalen „Drehzahlbereich“ kreisen.

Es hilft also nichts: Ich muss das Rad wechseln, auch wenn mich das wertvolle Zeit kostet. Als ich mich nach dem Radwechsel gerade wieder alleine ohne den kräftesparenden Windschatten im großen Feld an dessen Ende herangekämpft habe, steigt gerade an der Spitze des Feldes eine Attacke und es zerfällt in mehrere Gruppen.

So sitze ich in einer der hinteren Gruppen fest und habe keine Chance mehr, nach vorne in die Spitzengruppe zu kommen. Nach 110 Kilometern ist das Rennen für mich deshalb leider vorzeitig beendet: Die hinteren Gruppen haben mittlerweile doch einiges an zeitlichem Abstand zur Spitze und die Rennleitung nimmt uns deshalb aus dem Rennen.

Schade. Den ersten Teil des Premierenwochenendes hatte ich mir natürlich anders vorgestellt. Aber wie heißt es so schön: Neues Rennen, neues Glück. Also: Aufstehen, Fahrradhelm richten und weiterkämpfen – ganz nach dem Motto „Moving Forward“.

Beim „Le Samyn“ zwei Tage später ist mein Pech vom Sonntag schnell vergessen. Heute fühle ich mich schon deutlich besser und kann mich dauerhaft in der Gruppe der ersten 30 Fahrerinnen festsetzen. Ein gutes Gefühl!

Leider haben dieses Mal gleich mehrere meiner Team-Kolleginnen Pech. Lin Teutenberg, meine Partnerin beim Punktefahren auf der Bahn, ist früh in einen Sturz verwickelt und braucht lange, um wieder den Anschluss zu finden. Unserer Kapitänin Ariana Fidanza springt auf einer weiteren „Rüttelstrecke“ mit Kopfsteinpflaster die Kette herunter. Um den Defekt zu beheben, muss sie anhalten. Es kostet sie viel Kraft, um nach dieser Zwangspause wieder zurück ins Rennen zu finden.

Ich bin aber immer noch in der Spitzengruppe und Ariana kämpft sich trotz ihres Malheurs mit der Kette Position um Position nach vorne. Ich gebe also alles, um sie zusammen mit zwei weiteren Team-Kolleginnen rechtzeitig zum Finale in eine aussichtsreiche Position zu bringen.

Geschafft! Ungefähr 10 Kilometer vor dem großen Finale ist meine Aufgabe erledigt. Unsere Kapitänin ist mit meiner Hilfe in einer Schlüsselposition an der Spitze des Rennens und es sieht alles danach aus, dass sie um den Sieg fahren kann.

Doch 6 Kilometer vor dem Ziel schlägt das Pech erneut zu: Ariana stürzt. Ich bin kurz dahinter und halte natürlich sofort an, um nach ihr zu sehen. Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert. Das Sturzpech für unser Team ist damit aber noch nicht vorbei: Wir haben wie gesagt noch zwei weitere Fahrerinnen in der Spitzengruppe. Aber auch diese beiden Fahrerinnen kommen zu Fall – gerade mal 300 Meter vor dem Ziel.

Glück im Unglück: Alle gestürzten Fahrerinnen kommen glücklicherweise ohne schwere Verletzungen davon. So können wir uns gemeinsam auf die nächsten Rennen vorbereiten, bei denen wir hoffentlich mehr Glück haben werden.

Diese Doppelpremiere mit Hindernissen in Belgien hat mir mal wieder gezeigt: In den Rennen lernst Du als Team am besten, wie jedes einzelne Team-Mitglied die anderen im Team optimal unterstützen kann – und wie Du als Team flexibel auf Herausforderungen reagierst. Denn wahrer Teamgeist zeigt sich besonders, wenn es schwierig wird.

Genau die richtige mentale und körperliche Belastung für mein nächstes Saison-Highlight – den Bahn-Weltcup in Kairo (Ägypten).

Folge 5, 16.02.2023: Dem Druck standgehalten

Auch wenn die Vorbereitung auf die erste große Bewährungsprobe der neuen Saison, die Bahn-Europameisterschaft in Grenchen (Schweiz), alles andere als glatt lief – unser nach dem Karriereende von Lisa Brennauer neu formierter Bahn-Vierer kommt immer besser in Fahrt.

Ich hatte es hier im Blog (siehe Folge 1) schon einmal geschrieben: Vor großen Wettkämpfen treffen wir uns schon einige Tage vorher zum gemeinsamen Training, um uns als Mannschaft optimal auf den anstehenden Wettkampf vorzubereiten.

So hatten wir es auch vor der Bahn-Europameisterschaft (08.-12. Februar in Grenchen, Schweiz) geplant. Aber es kommt anders: Ein Teil der Mannschaft kann wegen Krankheit nicht trainieren und reist deshalb gar nicht erst an.

So bleibt uns nichts Anderes übrig, als die zwei Tage Trainingszeit vor Ort in der Schweiz noch konzentrierter als sonst zu nutzen. Und dieser Plan geht zum Glück auf.

Wir harmonieren immer besser, steigern unsere Leistung von Trainingslauf zu Trainingslauf. Dieser Aufwärtstrend hält auch im Wettkampf an. So schaffen wir es bis in das „kleine Finale“, also dem Wettstreit um Platz 3.

Am Ende reicht es für uns zu Bronze, knapp hinter Italien und Großbritannien. Und ich bin mir sicher, dass sich unsere fokussierte Arbeit – ganz im Sinne von „Moving Forward“, der DNA von Berghof – bald noch weiter auszahlen wird und wir auch mit unserer neuen Formation wieder ganz oben anklopfen.

Apropos ganz oben: Nach diesem Erfolg in der Mannschaftsverfolgung stand für mich persönlich noch ein weiterer wichtiger Wettkampf an – das Rennen in der Einzelverfolgung, bei der ich im Oktober 2022 bei der Weltmeisterschaft in Frankreich (siehe Folge 3) erstmals den Titel und damit das begehrte Trikot mit den Regenbogenstreifen geholt habe.

Im Weltmeistertrikot bei einer internationalen Meisterschaft an den Start zu gehen ist natürlich etwas ganz Besonderes. Aber es bedeutet auch besonders viel Druck.

Nach dem schönen Erfolg mit der Mannschaft bin ich aber ganz entspannt an die Sache herangegangen. Hinzu kommt: Aufgrund meiner Favoritenrolle darf ich als letzte Fahrerin starten und weiß so ganz genau, welche Zeit ich fahren muss, um das Finale um die Goldmedaille zu erreichen.

Diese Zeit schaffe ich, ohne alles geben zu müssen – und kann mir so ein paar „Körner“ für das große Finale aufsparen. Im Finale lautet die Devise dann natürlich Vollgas. Mir gelingt wie bei der Weltmeisterschaft ein perfektes Rennen und es reicht erneut für die Goldmedaille. Sehr zur Freude meiner Familie, die mich nach dem Rennen auf der Tribüne in die Arme geschlossen hat (siehe Foto).

Das Tüpfelchen auf dem I: Bei der Siegerehrung steht auch noch meine langjährige Mitstreiterin in der Mannschaftverfolgung, Mieke Kröger, als Bronzemedaillengewinnerin mit mir auf dem Podest.

Die Zusammenarbeit mit Berghof macht mir also nicht nur Spaß, sie beflügelt mich auch in sportlicher Hinsicht: Welt- und Europameisterin in der Einerverfolgung, einfach unglaublich!

Folge 4, 06.02.2023: Ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk

Wie haben wir Radprofis diese Gänsehaut-Atmosphäre vermisst: Nach der zweijährigen, coronabedingten Zwangspause ging es für uns endlich wieder rund im Berliner Velodrom – bei den „Six Days Berlin“.

Auch wenn es zum Neustart des Klassikers in diesem Jahr „nur“ drei Tage spannende Wettkämpfe gab: Wir waren alle heiß darauf, dem Berliner Publikum eine spektakuläre Show zu bieten – wobei bei mir diese Motivation aus einem persönlichen Grund noch höher war.

Denn mein Vater hatte in diesem Jahr einen ganz besonderen Geburtstagswunsch: Er hatte mich extra gebeten, in Berlin an den Start zu gehen – damit er in der Halle mit Familie und Freunden feiern und mich dabei anfeuern kann. Diesen Wunsch habe ich ihm natürlich liebend gern erfüllt.

Mit dieser besonderen Motivation im Kopf bin ich gleich am ersten Tag voll auf Angriff gefahren. Mit Erfolg: Zusammen mit zwei anderen Fahrerinnen konnte ich im sogenannten Punktefahren einen Rundengewinn herausfahren und so wichtige Punkte für die Gesamtwertung einsammeln.

Für unsere offensive Fahrweise in allen drei Wettbewerben an diesem Tag gab es für meine Partnerin Lin Teutenberg und mich außerdem als i-Tüpfelchen die Auszeichnung als „Mannschaft des Tages“. Ein perfekter Start!

Am Samstag, dem zweiten Tag, hatte mein Vater Geburtstag – und ich konnte ihm ein ganz besonderes Geschenk machen. Denn ich habe im Punktefahren, dank der perfekten Zusammenarbeit mit meiner Teamkollegin, den Sieg geholt und die traditionelle Siegestrophäe, ein großer Blumenstrauß, ging natürlich an ihn. So viel steht fest: Diesen Geburtstag werden mein Vater und ich so schnell nicht vergessen.

Auch am dritten Tag haben wir als Team hervorragend harmoniert, schrammten im sogenannten Team-Ausscheidungsfahren mit Platz 2 nur knapp am Sieg vorbei. In der Endabrechnung ging es für uns mit Platz 3 ebenfalls auf das Podium.

Die Form stimmt also für das erste große Highlight der noch jungen Saison – die Europameisterschaft in der Schweiz (8. bis 12. Februar).

Folge 3, 17.10.2022: Was für ein Finale!

Wie heißt so schön: Das Beste kommt zum Schluss. Das trifft auf die Bahn-Weltmeisterschaft in Frankreich (12. bis 16. Oktober 2022) definitiv zu. Aber der Reihe nach.

So schade es ist, aber es war leider zu erwarten: Unsere lange Erfolgsserie in der Mannschaftsverfolgung ist erst einmal gerissen.

Lisa Brennauer – unsere langjährige, enorm erfahrene Team-Kollegin – hat nach unserem Triumph bei der Europameisterschaft in München ihre erfolgreiche Karriere beendet. Laura Süßemilch, ebenfalls Teil unserer erfolgreichen Stammbesetzung, erholt sich noch von den Folgen eines schweren Sturzes. Und auch eine weitere Stammfahrerin, Lisa Klein, stand nicht mit am Start.

So hat unser Trainer – neben Mieke Kröger und mir als Stammfahrerinnen – zwei jungen Nachwuchsfahrerinnen erstmals die Chance gegeben, sich bei einem großen Wettkampf in der Mannschaftsverfolgung zu beweisen.

Unter diesen Voraussetzungen haben wir uns mit dem 6. Platz durchaus wacker geschlagen. Das stimmt uns positiv für die Zukunft des Bahn-Vierers. Wir wollen und werden natürlich weiterhin voll angreifen und hoffentlich bald wieder zu alter Stärke auffahren.

Ganz stark angekommen ist auch eine Aktion, die Mieke Kröger und ich für das nigerianische Team ins Leben gerufen haben. Wir haben den vier Athletinnen, die mit ganz normalen Bahnrädern am Start standen, spezielle Zeitfahrlenker geschenkt – eine gelungene Überraschung.

Apropos Stärke: Für mich persönlich gab es dennoch Grund zum Jubeln. Denn neben der Mannschaftsverfolgung bin ich in Frankreich auch noch in der Einerverfolgung am Start gestanden.

Und ich habe es tatsächlich geschafft, den Titel erneut für Deutschland zu gewinnen – und damit in die Fußstapfen von Lisa Brennauer zu treten.

Das Finale war extrem spannend: Ich bin das Rennen bewusst sehr schnell angegangen und hatte Schwierigkeiten, dieses hohe Tempo über die lange Distanz zu halten.

Eine Runde vor Schluss lag dann plötzlich meine Konkurrentin knapp in Führung. Aber ich habe in der letzten halben Runde noch einmal alles gegeben und habe mich am Ende ganz knapp durchgesetzt. Ein Sieg des Willens, ganz im Sinne von "Moving Forward".

Was für ein Finale!

Folge 2, 26.09.2022: Das hat riesig Spaß gemacht!

Auf diesen Tag haben das Marketing-Team von Berghof und ich lange hingefiebert: Am 23. September haben wir auf dem Berghof Oktoberfest dem Berghof Team exklusiv vorab den neuen "Moving Forward"-Film gezeigt - und damit die DNA von Berghof und mich als Gesicht intern vorgestellt.

Ein bisschen nervös war ich vor diesem Tag ehrlich gesagt schon. Wie wird das Team auf „Moving Forward“ und mich als Botschafterin reagieren? Wie groß wird das Interesse an meiner Person und meiner Sportart sein?

Aus angespannter Vorfreude wird dann aber ganz schnell einfach nur pure Freude: Denn die Resonanz des Berghof Teams ist einfach großartig!

Nach der Filmpremiere geleitet mich das Berghof Team mit tosendem Applaus auf die Bühne und ich kann mich in einem lockeren Interview ein wenig vorstellen.

Das Marketing-Team hat buchstäblich an alles gedacht und sogar extra noch spezielle Berghof "Moving Forward"-Autogrammkarten drucken lassen. So stehen meine Autogramme besonders hoch im Kurs - genau wie Fotos mit mir vor dem kurz vor dem Oktoberfest fertig gestellten Fahrzeug im speziellen Berghof "Moving Forward" Design.

Alle sind super nett und interessiert, bestaunen mein Rad, stellen viele Fragen zu mir und meinem Material.

Die Stimmung ist so gut, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Eigentlich wollte ich ja früh ins Bett, weil ich am nächsten Tag ein Rennen in Kempten habe. Aber es wird dann doch recht spät, weil es einfach riesig Spaß macht.

Das Rennen gewinne ich dann dennoch - oder vielleicht gerade deswegen... ;-)

Nach diesem perfekten Auftakt freue ich mich mehr denn je auf die Zusammenarbeit. Denn dieser Abend, die tolle Atmosphäre und die interessanten Gespräche haben mir gezeigt: Berghof und ich, wir sind einfach ein perfektes Team!

Folge 1, 22.08.2022: Was für eine fantastische Atmosphäre

Die Atmosphäre bei der Europameisterschaft in München (11.-21. August 2022) war einfach der Hammer – auch weil viele Freunde und unsere Familien die Chance genutzt haben, uns anzufeuern.

Eine große, internationale Meisterschaft im eigenen Land ist natürlich immer etwas ganz Besonderes. Die Mission ist also schon früh im Jahr klar: Wir wollen vor heimischer Kulisse unseren Titel verteidigen und erneut zu Gold fahren.

Deshalb treffen wir uns wie vor allen großen Wettkämpfen bereits zehn Tage vorher zum gemeinsamen Training, auch um uns auf die ungewöhnlich kurze Bahn (nur 200 statt 250 Meter Länge) einzustimmen. Nichts soll uns in dieser Vorbereitung stören.

Doch es kommt anders. Ich muss das Training mit dem Bahn-Vierer unterbrechen und für einige Tage nach Schweden.

Der Grund: Die meiste Zeit des Jahres trete ich für ein Profi-Team bei Straßenrennen in die Pedale. Viele Fahrerinnen dieses Teams fallen wegen Verletzungen oder Krankheit aus, und so muss ich nun doch nach Schweden fliegen, um auch hier das Team zu unterstützen. Eigentlich hatte mir mein Profi-Team für die Vorbereitung frei gegeben.

Alles andere als optimal, aber Flexibilität ist auch für uns Profi-Sportlerinnen oberstes Gebot – und kneifen gilt ja ohnehin nicht ;-)

Im Kopf bin ich natürlich weiterhin bei der großen Mission – und nach meiner Rückkehr steht schnell fest: Trotz der ungeplanten Unterbrechung bin ich auf den Punkt fit.

Das ist auch notwendig – denn unser Bahn-Vierer ist doch etwas geschwächt. Eine meiner Kolleginnen hat sich gerade erst von einer Corona-Infektion erholt und ist noch nicht wieder zu hundert Prozent fit. Eine andere Kollegin hat kurz vor der EM einen schweren Sturz. So haben wir nicht, wie sonst üblich, noch eine fünfte Fahrerin als Ersatz dabei.

Trotzdem läuft zunächst alles nach Plan. Im Finale gegen Italien wird es dann aber richtig spannend: Das Rennen ist extrem eng und wir liegen lange zurück. Aber am Ende mobilisieren wir noch einmal alle Reserven, gehen zwei Runden vor Schluss in Führung und gewinnen hauchdünn mit gerade einmal 0,6 Sekunden Vorsprung.

Genau das ist einer der großen Stärken unseres Teams: Wir haben unser Ziel immer fest vor Augen, bleiben aber flexibel im Kopf, um jederzeit auf Planänderungen reagieren zu können.

Apropos Planänderung: Im Verlauf der EM gibt es noch eine weitere, sehr positive Überraschung. Ich werde kurzfristig für das Straßenrennen nominiert und kann so auch die wahnsinnig tolle Stimmung auf dem Kurs in der Münchner Innenstadt genießen.

Gänsehaut pur!