Interview | Berghof Process Management

Sechs Fragen an Philipp Miska

15. Oktober 2018

Die meisten Menschen haben den Eindruck, das Thema Elektromobilität nehme erst seit kurzer Zeit so richtig Fahrt auf. Für Philipp Miska hingegen fühlt es sich ganz anders an: Er beschäftigt sich schon seit Jahren sehr intensiv und ausschließlich mit dem Thema Qualitätssicherung für Ladetechnik. Kein Wunder, dass diese ganz besondere Kompetenz des Abteilungsleiters für die Berghof-Systeme HVSP und MCB  bei Berghof Process Management in Mühlhausen (Thüringen) ihn zu einem sehr gefragten Ansprechpartner für die Automobilindustrie und Referenten* auf Fachveranstaltungen macht.

1. Berghof ist heute bei vielen namhaften Automobilherstellern gesetzt, wenn es um das Thema Qualitätssicherung für Ladetechnik geht. Und Sie sind als Ansprechpartner für das Thema so bekannt, dass Sie mittlerweile ein gefragter Referent* auf Veranstaltungen sind. Wie haben Sie sich diese besondere Kompetenz angeeignet?

Das hat mehrere Gründe. Ich habe Elektrotechnik studiert und mich schon in meiner Diplomarbeit vor rund sechs Jahren, die gleichzeitig mein Einstieg bei Berghof war, mit diesem Thema beschäftigt. Konkret ging es dabei darum, wie sich Hochvoltspeicher, wie die im Volksmund meist als Batterien bezeichneten Energielieferanten moderner Elektrofahrzeuge in Expertenkreisen heißen, über längere Zeit ohne Qualitätseinbußen lagern lassen. Das war zu dieser Zeit ein absolut drängendes Thema, weil diese frühere Speichergeneration eine sehr hohe Selbstentladung hatte. Berghof hat sich also schon intensiv mit Hochvolt-Antriebsbatterien für Elektrofahrzeuge auseinandergesetzt, als dieses Thema noch nicht in aller Munde war. Dabei haben wir immer – ganz im Sinne des für die gesamte Berghof-Gruppe prägenden „innovation hub“-Gedankens sehr eng mit unseren Auftraggebern, den großen Automobilherstellern, zusammengearbeitet. So haben wir in den letzten Jahren hoch performante Systeme entwickelt und stets weiter verfeinert. Dadurch hat sich nicht nur Berghof als Unternehmen, sondern auch unsere Systeme und auch wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich in der Branche einen sehr guten Namen gemacht. 

2. Was macht das Thema Qualitätssicherung für Ladetechnik so anspruchsvoll?

Die Hochvoltspeicher sind aus Sicherheitsgründen so konstruiert, dass sie bei der kleinsten Unregelmäßigkeit sofort in den Standby-Modus schalten. Denn bei einem Unfall könnte der Speicher sonst natürlich die Fahrzeuginsassen gefährden. Um den Speicher zu testen, muss unser Prüfstand ihn also genau in den Zustand versetzen, den er im Normalbetrieb im Fahrzeug hat – der Fachbegriff hierfür ist Restbus-Simulation. Die Parameter für diese Simulation sind von Hersteller zu Hersteller und von Fahrzeug zu Fahrzeug teils sehr unterschiedlich. Unser Prüfsystem HVSP ist deshalb ein modulares System, das wir immer ganz spezifisch auf das jeweilige Projekt zuschneiden. Und es ist so konzipiert, dass wir sehr schnell auf geänderte Prüflinge reagieren können. Unser großer Erfahrungsschatz in diesem Bereich ermöglicht es uns außerdem, die Entwicklungszeiten der auf die spezifischen Anforderungen unserer Partner angepassten Systeme sehr kurz zu halten.    

3. Wodurch unterscheiden sich die Hochvoltspeicher-Prüfsysteme von Berghof sonst noch von anderen Systemen auf dem Markt?

Natürlich geht es beim Thema Qualitätssicherung, wie der Name ja schon sagt, in erster Linie um Qualität. Aber in der Automobilindustrie gibt es beim Thema Qualitätssicherung immer noch einen zweiten ganz entscheidenden Parameter – und das ist der Faktor Zeit. Fehler können immer auftreten. Aber es ist entscheidend, diese schnell zu finden und zu lokalisieren, damit die Fehlzeiten so gering wie irgend möglich sind. Deshalb ist unsere Software so programmiert, dass unsere Kunden ein sehr detailliertes Fehlermanagement erhalten. Und unsere Restbus-Simulation arbeitet zudem mit sehr kurzen Zykluszeiten. Das spart Zeit – und damit Geld.  

4. Apropos Zeit: Aktuell nimmt das Thema Elektromobilität, auch bedingt durch den Dieselskandal, so richtig Fahrt auf. Da will natürlich kein Autohersteller wertvolle Zeit verlieren. Hat dadurch der Zeitdruck für Sie und Ihr Team zugenommen?

Die Zeitpläne sind in der Automobilindustrie schon traditionell sehr ambitioniert und das Thema Termintreue steht auf der Agenda bei unseren Kunden immer ganz weit oben. Diese tägliche Herausforderung hat natürlich durch den aktuellen starken Aufschwung nochmals an Schärfe zugelegt. Wir haben aber bereits darauf reagiert und erarbeiten zum Beispiel in einem aktuellen internen Projekt erfolgreiche Strategien, um unsere Montage- und Inbetriebnahmezeiten weiter zu optimieren. Schließlich wollen wir nicht nur mit unseren Produkten, sondern auch mit unseren Dienstleistungen unseren Kunden wichtige Mehrwerte liefern. 

5. Ambitionierte Zeitpläne, absolute Termintreue – klingt so, als ginge es in Ihrem Arbeitsalltag ganz schön hoch her. Dennoch wirken Sie sehr ausgeglichen und ruhig. Was ist Ihr Gegenpol, womit laden Sie, um ein passendes Bild zu bemühen, Ihre Akkus wieder auf?

Mir machen schwierige Herausforderungen keine Angst – ganz im Gegenteil. Scheinbar unlösbare Aufgaben erfolgreich zu lösen, das hat mich schon im Studium fasziniert und angetrieben. Und wir haben hier bei Berghof mit unserer ganz besonderen, die Innovation fördernden Kultur die besten Voraussetzungen, um diese täglichen Herausforderungen schnell, effizient und überzeugend zu lösen. Mein Gegenpol dazu: Privat schätze ich sehr die Ruhe und bin ein absoluter Genussmensch. Wir – und das schließt sogar unsere kleine Tochter mit ein – kochen zum Beispiel leidenschaftlich gerne und lassen es uns natürlich dann auch genauso gerne gut schmecken. Als absoluter Familienmensch schätze ich es außerdem sehr, dass mir Berghof als moderner Arbeitgeber viel Flexibilität ermöglicht, zum Beispiel durch die Möglichkeit, regelmäßig im Home-Office zu arbeiten.

6. Sie hatten schon erwähnt, dass Sie teils schon seit Jahren sehr enge Forschungspartnerschaften mit Ihren Kunden, den namhaften Automobilherstellern, pflegen. Gibt es auch entsprechende Partnerschaften mit der Wissenschaft?

Ja, die gibt es. Vor allen Dingen mit der Technischen Universität (TU) Dresden gibt es einen sehr regen Austausch. Auch persönlich stehe ich mit der TU Dresden eng in Verbindung: Ich schreibe hier aktuell meine Doktorarbeit – natürlich auch im Bereich Ladetechnik.

*Sie wollen mehr über Philipp Miska und seine Arbeit erfahren? Am Donnerstag, den 25. Oktober stellt er auf dem „Technologie- und Anwenderkongress VIP 2018“ des Berghof-Technologiepartners National Instruments in Fürstenfeldbruck bei München einen aktuellen Prüfstand für den Validierungstest von Hochvolt-Antriebsbatterien vor. Mehr Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie hier.