Interview | Berghof Membranes

Sechs Fragen an Jörg Schlaier

28. November 2019

Clevere Fragen statt einfache Antworten: Jörg Schlaier ist seit 2016 Leiter des Produktionsstandortes Eningen bei Berghof Membranes Technology – und hat seitdem viele Prozesse nach allen Regeln der „Lean Management“-Kunst noch effizienter gestaltet. Woher seine Leidenschaft für dieses Thema kommt, wieso es aus seiner Sicht nur Gewinner dabei gibt und warum er gerne über den Dingen schwebt, erklärt der Optimierungsspezialist im Interview.

1) Landläufig wird das Thema „Lean Management“ oft einzig und allein mit Kosten sparen gleichgesetzt. Aber ist das die ganze Wahrheit?

Nein, das ist viel zu kurz gesprungen. Die Grundidee des „Lean Management“ ist es, wertvolle Ressourcen – also Personal, Material oder Zeit – so effizient wie irgend möglich zu nutzen. Dabei können zunächst einmal in durchaus beträchtlichem Maße Kosten entstehen, weil zum Beispiel vorhandene Werkzeuge oder Maschinen ihren Zenit erreichen und einer weiteren Verbesserung im Wege stehen. Aber nach meiner Erfahrung lohnen sich diese Investitionen in andere Prozesse oder neue Fertigungstechnologien immer, weil sie sich langfristig auszahlen. Nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern vor allen Dingen für seine Kunden. Denn immer wieder konsequent nach „Lean“-Kriterien optimierte Prozesse garantieren Produkte in höchster, konstanter Qualität pünktlich zum richtigen Zeitpunkt zu bestmöglichen Kosten aus einer nachhaltigen, weil ressourcenschonenden Produktion.

2) Apropos Erfahrung: Sie haben sich bei allen Geschäftsbereichen der Berghof Gruppe schnell als wertvoller Gesprächspartner zu sämtlichen Themen rund um das Optimieren von Prozessen etabliert. Woher kommt Ihr großer Erfahrungsschatz in Sachen „Lean Management“?

Das hat mit meinem beruflichen Werdegang zu tun. Schon in meiner Ausbildung zum Industriemechaniker und später in meinem Maschinenbau-Studium hat mich die Frage fasziniert, wie sich Produktionsprozesse besser, effizienter und schneller gestalten lassen. Nach dem Studium habe ich dann viele Jahre für einen großen Medizintechnik-Konzern gearbeitet, in dem das Thema „Lean Management“, genau wie bei allen Geschäftsbereichen der Berghof Gruppe, eine sehr hohe Priorität hatte. So habe ich mich in zahlreichen Projekten immer tiefer in die Materie eingearbeitet. Durch die großen Erfolge, die wir dabei erzielt haben, bin ich mehr und mehr zu einem überzeugten Anhänger dieser Philosophie geworden. Denn ich habe immer wieder gesehen, dass es bei einem „Lean Management“-Projekt am Ende des Weges nur Gewinner gibt – wenn es richtig angelegt ist. Das hat mein Denken und Handeln natürlich nachhaltig geprägt.

3) Wie muss denn ein „Lean Management“-Projekt angelegt sein, damit es am Ende nur Gewinner gibt?

Es ist wichtig, ein solches Projekt wirklich umfassend und ergebnisoffen anzugehen. Auch wenn das Thema Kosten immer mitschwingt: Es darf nicht in erster Linie um das Sparen gehen, sondern um das Steigern der Effizienz – dann ergeben sich zwangsläufig Kosteneinsparungen, aber nicht nur. Es entstehen noch viele weitere positive Aspekte. Zum Beispiel für das Team: Wer noch effizienter arbeiten kann, tut sich leichter, ist produktiver und zufriedener. Außerdem erhöht sich die Arbeitssicherheit, wenn die Laufwege so kurz wie irgend möglich und die Ergonomie des Arbeitsplatzes optimal sind. Deshalb erzeugen „Lean“-Projekte meiner Erfahrung nach im Team eine Sogwirkung, die immer weitere Verbesserungsideen hervorbringt. Deshalb ist solch ein Projekt auch niemals abgeschlossen. Auch die Kunden profitieren stark davon: Noch effizientere Produktionsprozesse minimieren Fehlerquellen immer weiter und lassen bei gleichbleibend optimaler Qualität noch höhere Stückzahlen zu, was sich wiederum positiv auf die Lieferzeiten auswirkt. Für uns ist das ganz zentral, denn unsere zufriedenen, langjährigen Kunden sind unser wertvollstes Gut – deshalb verstehen wir uns auch nicht nur als Lieferant, sondern als Partner unserer Kunden. Und bieten deshalb nicht nur erstklassige Produkte, sondern auch erstklassige Dienstleistungen rund um das Thema Abwasserbehandlung an.

 

 

4) Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Ist es in der Praxis wirklich so einfach?

Was ist schon einfach im Leben? Der „Lean Management“-Weg ist alles andere als einfach, weil Unternehmen – und die Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten – bereit sein müssen, ihre oft lieb gewonnenen Routinen aufzubrechen. Also raus aus der Komfortzone, rein in unbekanntes Territorium – das kostet jeden Menschen Überwindung. Hinzu kommt: Der richtige Weg ist nicht immer sofort ersichtlich, manchmal gerätst Du auch in eine Sackgasse. Dann ist es wichtig, nicht sofort aufzugeben und wieder in die alten Muster zu verfallen. Es ist also manchmal durchaus anstrengend und kompliziert, aber meine langjährige Erfahrung zeigt mir: Egal wie langwierig und schwierig der Weg auch ist, am Ende lohnen sich die Mühen auf jeden Fall. Denn noch effizientere Prozesse sorgen für noch zufriedenere Kunden – und das ist unser oberstes Ziel.

5) Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Wie haben Sie es geschafft, Ihr Team bei Berghof für Ihre Philosophie zu begeistern?

Natürlich hatte auch das Produktionsteam von Berghof Membranes zunächst viele Fragen, als wir plötzlich einige Themen auf den Prüfstand gestellt haben. Schließlich hat die Membranfertigung bei Berghof eine lange Tradition, die Produkte sind weltweit bekannt und geschätzt für ihre erstklassige Qualität und Ihre Robustheit. Wir haben deshalb auch weniger die Produkte oder die eingesetzten Materialien, sondern vorrangig einzelne Arbeitsschritte analysiert. Und das Team hat dann schnell gesehen, dass sich unsere auf der „Lean Management“-Philosophie basierenden Optimierungen im Detail auch für sie auszahlen. Das hat eine große Motivation erzeugt. Hinzu kommt: Hier herrscht in allen Bereichen echter Pioniergeist – das ist es auch, was das Arbeiten bei Berghof so spannend und besonders macht. Das hat sicher auch mit unserer einzigartigen Geschichte zu tun. Als ich von einem Großkonzern zur mittelständisch geprägten Berghof Membranes gewechselt habe, hatte ich mich genau darauf gefreut. Wenn ich die letzten drei Jahre so Revue passieren lasse, muss ich aber schon sagen: Meine positiven Erwartungen haben sich deutlich übererfüllt – es ist wirklich beeindruckend, wie viel wir hier in dieser kurzen Zeit bewegt haben. Und die schon angesprochene Sogwirkung hat sich bereits voll entfaltet und sorgt dafür, dass wir uns ständig im Sinne unserer Kunden weiter verbessern.

6) Stichwort Motivation: Wer sich tagtäglich mit solch komplexen Fragestellungen beschäftigt, braucht dafür eine Menge Energie. Was hilft Ihnen dabei, den Kopf frei zu kriegen und frische Kraft zu tanken?

Ich halte es mit der berühmten lateinischen Redewendung „Mens sana in corpore sano“ – also ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Deshalb treibe ich in meiner Freizeit viel Sport: Joggen, ins Fitness-Studio gehen, Mountainbiken – je nach Wetter, Lust und Laune. Seit einigen Jahren habe ich außerdem eine neue Leidenschaft für mich entdeckt und schwebe im wahrsten Sinne des Wortes gerne über den Dingen – mit dem Gleitschirm. Demnächst geht es wieder nach Südafrika zum Fliegen, darauf freue ich mich schon riesig!